Warum ich meine Meinung über meine Sammelleidenschaft geändert habe

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Muscheln

Warum ich meine Meinung über meine Sammelleidenschaft geändert habe? Ich habe immer gedacht, dass das Sammeln von wertvollen – okay für mich wertvollen Dingen – mich froh und später auch mal finanziell gut dastehen lassen würde.

Dies war ein Trugschluss, zumindest aus meiner jetzigen Sicht. Eines Tages war alles zu viel.

Mich kann man nicht in Schubladen stecken. Ich koche, backe, lese, stricke, häkele, sticke, nähe, fotografiere und bastele gerne. So hatte meine Sammelleidenschaft immer fruchtbaren Boden gefunden.

So habe ich früher über das Sammeln schöner Dinge und Stempel gedacht

Wunderschön und eine Wertanlage, das war einst meine Vorstellung von bestimmten Sammlerobjekten. Aber auch: wunderschön, und damit kann ich ganz viele neue Dinge zaubern.

Es gab eine lange Zeit in meinem Leben, die auch schon ziemlich früh und ausgeprägt anfing, in der ich sammelte. Angesteckt evtl. durch das Verhalten meiner Eltern und Großeltern. Oder weil es fast jeder zu der Zeit um mich herum tat. Geld war knapp und so freute sich über jedes Schnäppchen – jede Gelegenheit – , günstig an schöne Dinge, ob Deko oder Hausgebrauch, zu kommen. Es fing ja schon mit der Konfirmation an: Sammelbesteck und Geschirr, welches dann zu jedem Geburtstag als Aussteuer weiter geschenkt und gesammelt wurde. Ich wurde Jäger und Sammler zugleich. Meine Oma sammelte Stoffe (sie nähte auch viel), meine Mutter sammelte schönes Porzellan, eine Tante Wolle, eine Freundin liebte, heute sagt man Vintage/Shabby-Chic, schöne alte Dinge, und ich sammelte: alles.

Mein Bedarf an besonderen Stoffen, schöner Wolle, Sammeln von Porzellanbärchen (Cherished Teddys), Teddy-Sammeltellern, Eulen und Teddys in jeglichen Ausführungen, Büchern und Zeitschriften war schon groß. Später, so Ü30, spezialisierte ich mein Sammeln auf ausgewählte Dinge, und dann begann meine Leidenschaft fürs Kartenbasteln. Das war der Startschuss für meine umfangreiche Sammlung von vielen tollen Holz- und Gummistempeln, hauptsächlich mit niedlichen Motiven – so wie meine heißgeliebten Penny Blacks. Da schaltete in meinem Hirn echt das „Haben wollen“ alles andere aus. Das galt auch für andere Marken und Stempelfarben und Stanzen und und…

wenn das alle wären…

Dazu kam noch die Leidenschaft für schönes Geschirr sowie Koch- und Backutensilien, schönes Porzellan und hübsche Deko, um die Kaffeetafeln unserer Kaffeerunde, so hübsch wie in den damaligen Fernsehsendungen, zu bestücken. Es war für mich schon immer schön, wenn die Gäste mit lächelndem Gesicht am Tisch saßen. Sammeln ist schon klasse, braucht aber auch Platz. Ich bin insgesamt 9x umgezogen (die 2 Umzüge mit meinen Eltern eingerechnet). Was das zum Schluss für eine wertvolle Fracht war, irre.

Warum ich seit Frühjahr 2025 meine Meinung über das Sammeln von Stempeln geändert habe

Ich glaube, es war schleichender Prozess, aber im Frühjahr 2025 kam der für mich deutlichste Durchbruch in Sachen Umdenken. Ich erzählte ja schon von meinem tollen Abnehmerfolg, und dieser machte sich natürlich auch in meiner Kleidergröße bemerkbar. Der Kleiderschrank wurde ausgemistet. Upps, das war aber einiges, das da gehen durfte. Da – genau da legte sich bei mir ein Schalter um!

Bei meinem Übergewicht hatte ich mir nur noch Kleidung von der bekannten Übergrößen-Marke gekauft. Robust, chick und bequem. Vieles hatte ich mir für „gut“ gelassen, und diese Sachen waren noch mit Etiketten versehen. Wenn man das alles vor sich liegen sieht, wow, wird es einem ganz anders, das sag ich euch.

Die Erkenntnis, bei den Klamotten über das Ziel hinaus gekauft zu haben, schärfte meinen Blick für mein anderes Hab und Gut. Status: definitiv von allem zu viel! Die Gedanken, dass ich loslassen musste/sollte/könnte, stürzte mich aber auch in Gewissenskonflikte. Mein Mann: „schmeiß doch weg -brauchste/willste doch eh nicht mehr.“ Bei mir gingen die Alarmglocken an. Das war teuer, das hast du von XY geschenkt bekommen, vielleicht brauchst du das noch mal, oh, das ist doch so hübsch – das kann ich doch nicht weggeben oder wegschmeißen. Omas Sprüche und das knappe Geld und alles wird teurer…Ich muss Entscheidungen treffen, gruselig. Meine Lösung war: Okay – ich verkaufe einfach das, was gehen darf. Ihr Lieben, wer diese Situation kennt, der weiß, was das emotional mit einem macht. Aber ich wollte mich nicht nur vom körperlichen Balast befreien, sondern auch von Dingen um mich herum! Das Lied von SILBERMOND – Leichtes Gepäck – spiegelt genau mein Denken wider.

einfach zu viel…

Was macht man aber als Jäger und Sammler wenn man jetzt nicht mehr das Internet oder die Flohmärkte unsicher machen möchte? Wie wird man die 1000 Dinge, ohne schlechtes Gewissen bzw. ohne große Traurigkeit, wieder los? Fotos machen, Anzeigen einstellen, spezielle Flohmärkte besuchen, Verschenken und die Nachbarschaftshilfe beglücken. Ich kenne einige Menschen, die machen kurzen Prozess und schmeißen alles auf einem Rutsch weg. DAS! kann ich nicht.

Meine Veränderung der Sicht bewahrt mich aber jetzt schon mal davor, neue Deko, Küchen- oder Bastelsachen zu kaufen. Auch wenn sie schön, praktisch oder rar sind. Ich habe gelernt: Sammlerstücke, die einen gewissen Wert hatten, haben diesen heute leider meistens nicht mehr. Wofür ich viel Geld ausgegeben habe, ist den meisten Menschen heute kaum noch was wert. Selbst bei Schleuderpreisen wird wenig bis gar nichts gekauft. So folgte Erkenntnis Nummer 2: Neues kaufe ich nur nach genauester Überlegung, bei 8 von 10 Gelegenheiten kommt jetzt ein Nein dabei raus.

Heute weiß ich: Sammeln ist eine Leidenschaft/kann aber auch Leiden schaffen!

Heute weiß ich, dass Sammelleidenschaft auch Leiden schaffen kann. Das Internet ist voll mit Angeboten für Online-Kurse zur Befreiung und Ordnung in Kopf und Haus/Wohnung. Es zeigt, dass es den Bedarf gibt, und ich lese die kostenlosen Tipps sehr gerne. So manches konnte ich auch schon für mich umsetzen. Einiges geht leicht, anderes macht mir immer noch zu schaffen. Aber ich bleibe dran. So wie ich mich von meinem Gewicht gelöst habe, möchte ich auch meine Umgebung „erleichtern“.

Die Sammelleidenschaft stellt einen (mich) auch vor Herausforderungen. Der finanzielle Aufwand ist das Eine, man freut sich über jedes Teil, aber das Unterbringen von Sammlerstücken kann, wie es bei mir zum Schluss auch war, zu Platzproblemen führen. Ich habe kein Haus und keine Garage, aber Gott sei Dank einen Keller, hihi. Irgendwann wird es eng, ich war sehr mit Platzoptimierung beschäftigt. Wo soll ich alles unterbringen? So, dass man auch alles sieht und/oder auch direkt nutzen kann. Offene Schränke, nein, das staubt doch alles voll. Schachteln und Schubladen, immer neue Ordnungssysteme über Jahre. Das Optimum habe ich nie gefunden. Ich wohne ja mit Mann und zwei Katzen, großen Katzen (lach) zusammen, die brauchen ja auch Platz, hihi. Glücklicherweise ist mein Mann sehr genügsam und braucht nur wenig Raum, aber ich glaube seine Leidensfähigkeit hat auch Grenzen 😉

Jetzt, fast ein Jahr nach meinem ersten Umdenken, habe ich noch nicht alles losgelassen und bewältigt. Zumindest nicht, wie es in meinen Wünschen steht. Aber das Sammeln schon. Stätig dürfen Dinge und ehemals große Leidenschaften die Wohnung verlassen. Ganz werde ich meinen Hobbybereich nicht auflösen, meine Kreativität ist ja nicht tot. Ich weiß aber mittlerweile genau, wo mein Herz dran hängt. Darüber bin ich mächtig stolz und ich freue mich, wenn ich meine Ziele erreicht habe.

Als unabhängige Beraterin von CeVitalis brauche ich auf jeden Fall keine Lagerhaltung, kein großes Büro. Fast alles geht online und braucht nicht mehr Platz als früher mein Homeoffice-Bereich. Laptop, Drucker und Handy. Das macht es im doppelten Sinne leicht für mich.

Rückblickend weiß ich nicht, ob ich je anders gehandelt hätte, mit dem Wissen von heute auf jeden Fall. Sammeln schafft nicht nur Freude, sondern manchmal auch ein bissel Leid. Hast du ähnliche Erfahrungen gemacht? Schreib es mir gerne in die Kommentare.

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